Jericho: "Jericho"-Star wird zum Kardiologen
CBS hält gerne an seinen Stars fest. Ähnlich wie es bei Simon Baker und Alex O'Loughlin der Fall war, die CBS nach der Absetzung ihrer ersten beiden S...
Dienstag, 10. März 2009, 0:33
Es vergeht kein Abend, an dem sich das deutsche Fernsehpublikum nicht auf wenigstens einem der Fernseh- kanäle ein „detailliertes“ Bild von der Arbeit der Rechts- medizinerinnen und Rechtsmediziner machen kann. Der Medienrummel und das damit verbundene Interesse hat der deutschen Rechtsmedizin zwar mehr genützt als geschadet. Und doch ist das vom Fernsehen und den verschiedensten Printmedien vermittelte Berufsbild des Rechtsmediziners allenfalls in Ansätzen mit der Wirklichkeit der rechtsmedizinischen Arbeit vereinbar.
Rechtsmediziner sind keine Polizeibeamte und auch in keiner Weise als Ermittler tätig. Sie klingeln nicht, wie im Fernsehen suggeriert, an der Haustür der Angehörigen von Verstorbenen, um sie zu befragen und dann abstruse Theorien über Tathergang und Motiv zu entwickeln. Sie sind nicht an der Verhaftung von Tatverdächtigen beteiligt. Sie haben auch keine „wunderlichen“ Computerprogramme, die innerhalb von 45 Minuten einen Todesfall lösen. Sie brauchen solche Computerprogramme auch nicht. Mit ihrem Fachwissen bewerten sie Obduktionsbefunde und Ergebnisse nachfolgender Untersuchungen (z.B. chemisch-toxikologische Analysen oder mikroskopische Untersuchung). Daraus allein ergibt sich immer ein sehr klares Bild davon, was unmittelbar vor, während und nach dem Tode mit dem Opfer passiert ist. Rechtsmediziner sammeln und liefern die naturwissenschaftlichen Beweise, ob das eine oder andere Szenario in einem gewaltsamen Todesfall wahrscheinlich ist oder ob es ausgeschlossen werden kann. Die genaue rechtsmedizinische Rekonstruktion von Gewaltverbrechen hat entscheidenden Einfluss auf die nachfolgende juristische Bewertung – sei es, dass ein Täter (z.B. mittels DNA-Analyse überführt) zur Rechenschaft gezogen wird oder dass ein zu Unrecht Verdächtigter freigesprochen werden kann.
Eine funktionierende Rechtsmedizin auf höchstem wissenschaftlichem Niveau ist unerlässlich für die deutsche Rechtssicherheit. Nur sehr wenige Menschen außerhalb der Rechtsmedizin haben eine realistische Vorstellung davon, wie es im Obduktionssaal, in den forensischen Laboratorien und im Alltag der Rechtsmedizin zugeht. Selbst Ärzte, die während ihres Studiums einen Rechtsmedizinkurs absolvieren, nehmen in den seltensten Fällen an Sektionen teil. So bleibt die Welt der Rechtsmedizin außer Polizisten, Staatsanwälten und den Rechtsmedizinern der Allgemeinheit verschlossen. Wahrscheinlich spielt der Reiz des Unbekannten eine nicht unerhebliche Rolle beim Erfolg der Fernsehserien. Aber eines steht fest: Der Arbeitsalltag der Rechtsmediziner ist – wenn auch anders -
wesentlich facettenreicher als der ihrer Fernsehkollegen.
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Transport eines Leichnams in die Rechtsmedizin ?Foto: Patrik Budenz
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Die Ausstellung „Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf“, die vom 6. märz -13.September 2009
im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charite? zu sehen sein wird, bietet einen Einblick in die Bandbreite rechtsmedizinischer Arbeitsfelder. Als Koproduktion des Museums mit den zwei rechtsmedizinischen Instituten in Berlin stellt sie Arbeitsabla?ufe und -methoden vor. Die Pra?sentation will so einem breiten Publikum ein klares Bild rechtsmedizinischer Arbeit vermitteln.
Vieles, was Rechtsmediziner in ihrem Alltag zu sehen bekommen, liegt jenseits der Vorstellungskraft der meisten Menschen. Trotzdem verzichtet die Ausstellung bewusst darauf, zu schockieren oder mit Gruseleffekten zu arbeiten. Neben der Darstellung rechtsmedizinischer (Routine-)Arbeit werden aber auch die verschiedenen Todesursachen thematisiert, mit denen Rechtsmediziner in ihrer ta?glichen Praxis konfrontiert werden.
Die Ausstellung gliedert sich in zwei Ra?ume mit einer Gesamtfla?che von gut 400m2. Der erste Raum stellt die unterschiedlichen Arbeitsgebiete eines Rechtsmediziners vor. Dazu wurde aus verschiedenen realen Fa?llen ein fiktiver Fall konstruiert. Der Besucher begleitet den Rechtsmediziner vom Tatort zur Sektion, ins Labor, wo zusa?tzliche Untersuchungen durchgefu?hrt werden und schließlich ins Gericht, in dem der Rechtsmediziner als Sachversta?ndiger auftritt. Texte, Pra?parate und Grafiken helfen, die Ta?tigkeit in den einzelnen Bereichen Tatort, Sektionssaal, Labor und Gericht besser zu verstehen. Um zusa?tzlich einen Eindruck von der unendlichen Vielzahl mo?glicher (und manchmal auch unmo?glich scheinender) To?tungsarten zu vermitteln, werden in diesem ersten Raum diverse Tatwerkzeuge und beschlagnahmte Gegensta?nde pra?sentiert. Die Todesarten setzen sich als Thema im zweiten Raum der Ausstellung fort. Wiederum mittels Pra?paraten, Grafiken und Texten werden neun verschiedene nicht-natu?rliche Todesursachen na?her beleuchtet, die Rechtsmedizinern im Alltag ha?ufig begegnen: Erha?ngen, Verkehrsunfall und Scha?del-Hirn-Trauma, Scharfe Gewalt, Strom, Brand, Vergiftung, Schuss, Ertrinken sowie Bolustod und Aspiration (Verschlucken und Ersticken). Jede Todesursache wird zudem durch einen Beispielfall aus der Praxis illustriert.
Ein wichtiges Beta?tigungsfeld des Rechtsmediziners ist die Identifizierung unbekannter Leichen. Die verschiedenen Methoden werden in der Ausstellung anhand einer weltweit wegen ihres Ausmaßes in Erinnerung gebliebenen Naturkatastrophe, dem verheerenden Tsunami von 2004, vorgestellt. Nach dem Tsunami hatten Rechtsmediziner aus der ganzen Welt in den Katastrophengebieten an der Identifizierung der Opfer gearbeitet, einer von ihnen war Prof. Dr. med. Michael Tsokos, heute Direktor der rechtsmedizinischen Institute in Berlin.
Wachsmoulage mit Stanzmarke nach absolutem Nahschuss auf die Brust? Foto: Christoph Weber

Aschenbecher als Tatwerkzeug bei einem Tötungsdelikt ?Foto: Christoph Weber

Feuchtpräparat: Ein Bolus (Stück eines Eisbeins) verschließt den Kehlkopf ?Foto: Christoph Weber

Drogenutensilien eines Verstorbenen ?Foto: Christoph Weber
Tatwerkzeug: elektrisches Küchenmesser ?Foto: Christoph Weber

Strangulationswerkzeug bei einem Tötungsdelikt? Foto: Christoph Weber

Selbstkonstruierte Apparatur für Suizid durch Strom? Foto: Christoph Weber
Aufgebahrter Leichnam in der Rechtsmedizin ?Foto: Patrik Budenz
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Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf
Eine Ausstellung des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité in Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsmedizin der Charité und dem Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin Berlin
Laufzeit : 6. März bis 13. September 2009
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charite? Charite?platz 1, 10117 Berlin
O?ffnungszeiten: Di bis So 10 – 17 Uhr, Mi und Sa 10 – 19 Uhr, Feiertage geo?ffnet
Wegen der besonderen Wirkung der Präparate haben Jugendliche, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, in aller Regel Zutritt zum Museum nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten.