Exklusiv: Das große Sahner-Interview – Teil 2

Dienstag, 1. September 2009, 21:11

Die Ikone des deutschen Boulevardjournalismus, Paul Sahner, hat sie wirklich alle getroffen. Prominente aus der A-Liga von Film, Musik, Sport und Politik. So auch Michael Jackson. Sahner erinnerte sich in ‘Bunte’ an seine erste Begegnung mit dem King Of Pop in Kapstadt/Südafrika im März 1999:
“Mit gespreizten Fingern hält Jackson sein Glas mit südafrikanischem Chardonnay, stößt mit mir an: Peace. Es fällt auf, dass seine Hände viel lebhafter sind als sein Gesicht. Ständig spielt er mit ihnen, spreizt oder verknotet sie. Die Fingernägel könnten eine Maniküre vertragen. Die Züge seines Gesichts spiegeln nur selten wieder, was seine Seele fühlt. Von der Seite sieht er aus wie eine Geisha: die kirschroten Lippen, der weiße Teint, die von Chirurgenhand malträtierte Stupsnase. Sein Gesicht ist Schneewittchenweiß, die rabenschwarze Perücke über seinem Resthaar verrutscht.” Ein Jahr später trifft Paul Sahner den King Of Pop in Budapest wieder: “Sein Manager Marcel Avram nahm mich mit in Jacksons Suite im Intercontinental-Hotel. Der Superstar lag auf dem Boden, um ihn herum etwa zehn ungarische Kinder. Sie spielten Eisenbahn. Jackos Augen leuchteten”.

Wir sprachen mit Sahner über gierige Promi-Anwälte, Boris Becker und die Zukunft von ‘Bunte’. Heute der zweite Teil unseres großen Gesprächs.

Sahner_Porträt

Um wen machen sie lieber einen Bogen? Wer oder was ist tabu für Sie?
Für mich gibt es hauptsächlich spannende Menschen. Mit dem jetzigen Papst habe ich Probleme, weil er einmal behauptete, ich hätte ein Interview mit ihm veröffentlicht, das er mir nicht gegeben hat. Ich hatte aber jedes Wort, das in BUNTE stand, auf meiner Cassette. Es gab auch Fotos, die uns beim Interview zeigten. Ich bin ihm aber nicht mehr böse – ich denke, das war eine Notlüge. Da mein Onkel Willi selbst ein katholischer Geistlicher war, weiß ich, dass die Notlüge auch beim Clerus eine verzeihliche ist.

Sie waren ja früher mal bei der BILD-Zeitung. Was hat sich denn seitdem ihrer Meinung nach in der Boulevard-Berichterstattung des Blattes und im Allgemeinen in Deutschland geändert?
Die BILD setzt genau wie die BUNTE vor allem auf „People-Geschichten“ – wie zum Beispiel die Hochzeit von Boris Becker oder Frank Elstner. Zwischen den Blättern gibt es natürlich auch einen Wettkampf. Die BUNTE freut sich jeden Mittwoch oder Donnerstag, wenn die BILD mit unseren Schlagzeilen herauskommt – aber wir bedienen uns auch bei der BILD. Auch BILD weiß, dass sich Gefühle gut verkaufen. Soul Sells! Was sich allerdings geändert hat, ist die Horde von Anwälten, die darauf spezialisiert sind, die Medien zu attackieren.
Das ist mittlerweile eine „Industrie“ geworden.

Das Verhältnis zwischen Star und Medien ist ein Geben und Nehmen. Deutsche Stars bemühen aber bei jeder unpassenden Bemerkung ihre Berliner und Hamburger Promianwälte…
Dieses Vorgehen ist absolut lächerlich! Viele sind auch schon zurückgerudert. Wir kennen genügend Prominente, die sagen, dass sie das nicht wollen. Die Stars haben selbst gemerkt, dass es so nicht geht. Ich kann ihnen von Anwälten erzählen, die Prominente anrufen und sagen: „Ich vertrete dich notfalls auch umsonst. Ich habe gerade gelesen, hier und da wird dies und das über dich geschrieben!“ Das ist irre! Diese Scharfmacher! Ich halte es für unseriös, was Teile dieser so genannten Medienanwälte da veranstalten, wie sie sich anbieten und anbiedern. Es ist eine Katastrophe. Wir wissen von einigen, dass sie Stundensätze haben von 800 Euro

Johannes Heesters

Sehen sie einen Unterschied bei der Boulevard-Berichterstattung aus Deutschland, Großbritannien oder den USA?
Wenn wir mit amerikanischen Stars oder Promis aus England zu tun haben gilt eigentlich immer: Gesagt ist gesagt. Das ist leider Gottes in Deutschland nicht mehr so. Ich bin der Meinung, dass es in den USA oder Großbritannien wesentlich angenehmer ist, mit Prominenten ein Interview zu machen, da die Stars einfach Haltung haben, was bei vielen in Deutschland nicht mehr so ist. Hier muss man sich manchmal jeden Pups autorisieren lassen.

Bei deutschen Prominenten wird gern das Wörtchen „Weltstar“ herangezogen, sobald sie im deutschsprachigen Raum bekannt sind oder mal eine C-Rolle in einem US-Kinofilm ergattert haben.
Das sage ich jetzt nicht, weil ich das Buch „Karl“ geschrieben habe, aber Karl Lagerfeld ist absolut ein Weltstar! Das kann man daran messen, dass er auf der ganzen Welt durch seine Mode berühmt geworden ist und grandiosen Erfolg hat. Ansonsten kann man sagen, dass Leute wie Jürgen Prochnow und Til Schweiger auch im Ausland bekannt wurden  – aber das sind keine Weltstars. Ein Weltstar ist sicher Arnold Schwarzenegger, der aber kein Deutscher ist. Selbst Romy Schneider war kein Weltstar, sondern lediglich ein europäischer Superstar. Dirk Nowitzki ist vielleicht ein großer Star, aber zum Weltstar fehlt ihm Charisma. Auf Franz Beckenbauer trifft noch am ehesten die Bezeichnung Weltstar zu. Er war Weltmeister als Spieler und als Trainer und er hat die Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland geholt, Kaiserwetter inklusive. Boris Becker und Steffi Graf: bedingt. Wobei man feststellen kann, dass Boris Becker sehr beliebt ist. Auch in Amerika. Es gab nach ihm keinen Tennisspieler mehr, der im Alter von 17 Jahren Wimbledon gewonnen hat.

Finden Sie nicht, dass Boris Becker mit seinem Privatkram allmählich nervt? Warum macht er das?
Boris Becker ist sicher ein Mensch, der polarisiert. Er ist jemand der sagt: „Ich lebe mein Leben und man soll mich gewähren lassen“. Für die aktuelle Ausgabe der BUNTE habe ich im Interview mit Muck Flick (Gert-Rudolf Flick, – Anm.d.Red.), der wie Boris in London lebt, auch über Boris gesprochen. Muck Flick sagt, wenn Boris privat sein möchte, ist er in London bestens aufgehoben. Man respektiert ihn und seine Leistung dort – aber die Frage war ja: „Warum macht Boris das?“ Nun, er ist ein Spieler. Nicht nur ein Zocker, sondern ein Spieler und er genießt nichts mehr als die Öffentlichkeit. Lagerfeld hat mir vor ein paar Jahren einmal gesagt: „Boris Becker hat was. Wenn der an sich arbeitet, sehe ich ihn als neuen Burt Lancaster“. Was ja ein starkes Lob ist. Ich habe Boris Becker vor zwei Wochen getroffen. Wir waren in Heidelberg essen. Nach dem Fußballspiel Hoffenheim gegen Bayern München. Auch Lilly war dabei, die ging aber früher ins Bett wegen der Schwangerschaft. Wir haben über Gott und Welt gesprochen. Sicher ist es ungewöhnlich, wenn ein Mann vor seiner Hochzeit im Internet ausführlich darüber berichtet, aber Boris liebt die Selbstdarstellung. Und das beherrscht er!

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Haben eigentlich gedruckte Blätter wie BUNTE und GALA überhaupt noch eine Zukunft, wenn man all die Bilder und Geschichten zehn Tage früher im Internet finden kann?
Unsere Untersuchungen zeigen, dass – bei aller Liebe zu euch und eurem Medium, dem Internet – man doch recht gerne ab und an zu Hause sitzt, es sich bequem macht und bei einem Gläschen Wein eine Zeitschrift liest und sich die bunten Bilder noch einmal in Ruhe anschaut. Die Prognosen für die BUNTE sind nach wie vor und alles in allem noch immer großartig!

Gibt es jemanden, den Sie noch nicht interviewt haben, den sie aber gerne mal ausfragen möchten?
Ich würde wahnsinnig gerne einmal ein Interview mit Fidel Castro führen oder dem Diktator von Nordkorea, Kim Jong Il. Also Leute, die grundsätzlich kaum oder gar keine Interviews geben, was die journalistische Jagdleidenschaft entfacht, den Ehrgeiz. Das ist eine gesunde Eitelkeit bei Journalisten. Mein absoluter Favorit wäre Bin Laden! So ein Traum: Ich möchte Bin Laden interviewen und nach dem Gespräch eine Pistole aus der Tasche ziehen und ihn abknallen! Das wäre wahrscheinlich mein Todesurteil. Die Wahrheit ist: Ich hänge lieber am Leben als am Galgen.

Welche Fragen würden Sie dem Papst gerne stellen? Und was würden Sie gerne von der Queen wissen wollen?
Den Papst würde ich fragen, wann eine Notlüge zur Lüge wird -  aus gegebenem Anlass. Bei der Queen interessiert mich, ob sie für Charles keinen Tipp hat, wie er endlich König werden kann. Aber sie wird vermutlich genau so alt wie ihre Mutter, die mit 101 Jahren gestorben ist. Sorry Charles, take it easy und lass gleich William und Kate ran. Klatsch-tratsch.de braucht solche Glamourpaare genau wie BUNTE.

Wer oder was nervt Sie im Moment besonders?
Raffgierige Manager und Menschen, die ihre Dummheit gar nicht erst kaschieren.

Zum Schluss noch eine private Frage: Fahren sie eigentlich noch immer ihren hawaiiblauen Porsche?
Nachtblau ist der, eine  Fehlfarbe, meint meine Frau. Hat zwar schon sechs Jahre und über 100.000 Kilometer drauf – aber den fahre ich so lange, bis er auseinander fällt! Vielleicht überlebe ich ihn ja.

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Teil 1 des großen Interviews gibt es hier. Mit Paul Sahner sprach Jana Bauer.

Fotos: BUNTE, Paul Schirnhofer/BUNTE, MVG Verlag

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Ein Kommentar zu “Exklusiv: Das große Sahner-Interview – Teil 2”

  1. [...] 2 des Interviews gibts hier! Mit Paul Sahner sprach Jana [...]

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