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Samstag, 19. Dezember 2009, 12:23
Ex-Casting-Gewinner Martin Kesici (36) hat mit Ex-Casting-Gewinner Markus Grimm das Enthüllungsbuch “Sex, Drugs & Castingshows – Die Wahrheit über DSDS, Popstars & Co” geschrieben und damit für einigen Wirbel gesorgt. Kurz vor dem Start der neuen Staffel von Deutschland sucht den Superstar” trafen wir uns mit dem Berliner Rocker und plauderten über den Stand der Dinge.
Martin, du hast zusammen mit Markus Grimm das Buch “Sex, Drugs und Castingshows” geschrieben, das im Oktober erschienen ist. Wie verkauft sich das Buch?
Nun, ich würde nicht sagen wie geschnitten Brot, aber ca. 10.000 Exemplare sind verkauft. Ich bin ohne Erwartungen und Bedenken da rangegangen. Dafür, dass wir vom Fernsehen gut boykottiert werden, läuft es gut. RTL hat mich reingelegt: die kamen an mit dem Wunsch einen Bericht über Casting machen zu wollen, da hab ich mich mit leichter Skepsis drauf eingelassen und dann haben sie mich dargestellt als der drogenabhängige Martin, der nur noch unter der Brücke lebt und nebenbei Musik macht.
Ist dieses Buch eine Abrechnung, ein Aufklärungswerk für Castingbewerber oder eine Art Psychokrücke, um sämtliche persönliche Erfahrungen zu verarbeiten?
Alles. Als wir das Buch geschrieben haben, wurden wir ständig gefragt: Was ist denn mit euch, man sieht euch ja nicht mehr im Fernsehen. Wie ist den das mit Popstars, welche Verträge muss man unterschreiben? usw. Man wird ja permanent befragt. Zunächst wollte ich das Buch alleine schreiben, aber man riet mir das nicht zu tun, weil es sonst wie eine Biographie rüberkommt. Dann haben wir es zusammen geschrieben, wollten noch jemanden dazu holen, aber alle anderen sind abgesprungen. Mit sechs Jahren Abstand sieht man natürlich auch etwas anders – die Erfahrungen die man als Castinggewinner gemacht hat, wie zum Bespiel die Sache mit der Bild-Zeitung im Puff. In dem Moment damals fand ich das toll, weil ich nicht wusste was Sache ist. Heute weiß ich das natürlich. Deshalb ist das Buch eine Verarbeitung der Erfahrungen für mich selbst. Es ist aber auch eine Abrechnung, weil einige Menschen mich einfach haben fallen lassen. Es fehlt die Menschlichkeit in dem Business und es wird immer extremer. Ich fühl mich besser jetzt nach dem Schreiben des Buches. Und ganz wichtig: Obwohl es kein typisches Buch für Jugendliche ist, richtet es sich auch an junge Leser, damit sie mit ner realistischen Erwartung zu einem Casting gehen. Wir haben mittlerweile jede Menge Zuschriften von Jugendlichen, die zu so was nicht mehr hingehen oder zumindest mit einer anderen Erwartung.
Die nächste Staffel DSDS wird gerade vorbereitet.
Ja, die Jugendlichen pilgern dort zu Tausenden hin. 50 oder 60.000 sind es wohl in Deutschland. Es gibt aktuelle Analysen einer Medienwissenschaftlerin, die eine Doktorarbeit darüber geschrieben hat, darüber, dass die Kids glauben, was Dieter Bohlen sagt, das man reich und berühmt werden kann. Die glauben, alles ist schön. Aber das ist nicht so, denn die Leidenschaft zur Musik geht bei dem Geschäft flöten. Es geht nur darum, ob du ein Schicksal hast. Wenn du nicht Krebs hast oder dein Bruder gerade gestorben ist, kommst du da auch nicht weiter, weil das Fernsehen sonst nix über dich zu berichten hat. Es ist egal ob du Gitarre spielen oder singen kannst.
Aus einer Quelle weiß ich, dass du Teilnehmer einer Dokusoap bist, so steht es im Moment bei Popstars in den Verträgen. Das bedeutet, es geht zwar schon ums Singen, aber was danach passiert ist schnurtz. Erst fallen sich alle Gewinner um den Hals, RTL zeigt große Emotionen und danach werden Intrigen gesponnen damit man was zu erzählen hat.
Die Reaktionen auf dieses Buch werden sicherlich unterschiedlich sein. An welche Leser richtet sich das Buch? Was sind deine Ambitionen?
Tja, bei MTV auf der Universal-Party hat man mir nicht mal mehr Guten Tag gesagt, weil ich die Verträge abgedruckt habe. Aber sie haben mich nicht verklagt deswegen. Schade eigentlich, dann wäre das Buch noch bekannter geworden.
Es ist ja kein Lästerbuch. Da legen wir Wert drauf. Es gab Reaktionen von meinem ehemaligen Management, die wollten das nicht. Aber ich hab denen gesagt: nun habt euch doch nicht so. Ich muss schon die Wahrheit erzählen, das Gute und das Schlechte. Seit dem ersten Dieter Bohlen Buch gibt es neue Gerichtsurteile, sodass ich mich hier in Deutschland schon fast wie in China gefühlt habe, denn du wirst zensiert. Wir hätten mit Klagen zugeschüttet werden können und das wird teuer. Es macht keinen Sinn ein Buch rauszubringen und das gleich wieder einstampfen zu müssen. Also mussten wir die ganze Sache etwas entschärfen. Vor sechs Jahren war eine Castingshow noch cool, es gab vor der Bühnenpräsentation des Künstlers keine mediale Beeinflussung zur Person. Heute wird ganz bewusst vorher gezeigt: wie lebt er, was macht er usw. Jemand wird sympathisch oder langweilig dargestellt, die Produktionsfirma RTL oder Pro7 weiß vorher schon, das ist die Sache wert.
Bei der Abstimmung wer ins Finale kommt, entscheiden wirklich die Zuschauer?
Bei mir in der Show war es ok. In den anderen Shows redet die Jury und die Zuschauer entscheiden. Es kann vorkommen, dass Telefonleitungen ausfallen, dann kann man sagen es sind technische Probleme. Aber wenn eine Leitung mal zwei Stunden ausfällt und jemand mal den Muteknopf drückt, gehen in dem Moment die Stimmen für die Rivalen hoch. Und ein Notar beglaubigt auch nur, was die Telefongesellschaft zulässt.
Wird mit Psychologen gearbeitet, um Marketingstrategien zu entwickeln für den jeweiligen Künstler?
Na klar. Ich weiß, dass es so läuft. Zum Psychologen kann man freiwillig hingehen. Das habe ich abgelehnt. Bei Markus war das anders. Der ging frohen Mutes zu diesem Heilpraktiker. Das gibt der Produktion die Möglichkeit auf Schwächen zu reagieren. Detlef kann dann auf einen wunden Punkt gehen, damit der Kandidat vor der Kamera heult.
Ich muss aber dazu sagen, wenn du in einem komplett neuen Umfeld agierst, bist du sensibler. 1000 neue Erfahrungen und Eindrücke stürzen auf dich ein in kürzester Zeit. Das muss man erst mal verarbeiten. Bei Popstars ist es so ähnlich wie bei Big Brother, denn die Kandidaten werden zusammen gefercht, da wirst du ne Einheit und da kann man noch viel besser Intrigen stricken. Die werden 24 Stunden pro Tag beobachtet. Vor sechs Jahren sprich in meinem Fall bei Starsearch war es lockerer. Da waren nicht permanent Kameras dabei. Wir konnten nach unseren Terminen machen was wir wollten, Party usw. Das war wie heute bei Stefan Raab. Der machts richtig. Der einzige übrigens.
Die Verträge sind ausgeklügelt. Werden Anwälte hinzugezogen?
Sicher, denn man hat ja keine Ahnung von dem Fachchinesisch.
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